2026 und 2027 legt St. Maria als … den thematischen Schwerpunkt auf den Raum.
Nach dem Themenschwerpunkt „Nahrung“ (2024-2025) wollen wir auch mit dem Thema „Raum“ an Fragestellungen anknüpfen, die im Umfeld der Kirche präsent sind und die sich auf Grundbedürfnisse des Menschen beziehen:
Öffentliche Räume sind frei zugängliche Lebensräume, die als Gemeingut verstanden, der Begegnung, Erholung, Bewegung und gesellschaftlichen Teilhabe dienen. Als wichtiges Bindeglied für das städtische Leben zeichnen sich öffentliche Räume durch unterschiedliche Nutzungen und Nutzer*innengruppen aus.
Zugleich ist der öffentliche Raum aber auch von Regeln, Normen und Gesetzen bestimmt, die die Zugangsmöglichkeiten für einzelne einschränken oder die Teilhabe einzelner Gruppen verhindern können. Unterschiedliche Nutzungen schließen sich gegenseitig aus und Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Gruppen, die jeweils ihr Recht auf Stadt einfordern, müssen ausgehandelt werden.
Im unmittelbaren Umfeld von St. Maria sind in den letzten dreißig Jahren infolge innerstädtischer Gentrifizierungsprozesse Luxuswohnungen, ein Einkaufszentrum, Tiefgaragen, hochpreisige Büroflächen, Boutiquen und Restaurants und ein teures Fitness-Studio entstanden. Die neue Mittelschicht hat mit ihrem Lifestyle und ihren Konsumansprüchen das Arbeitermilieu verdrängt. Wohnungslose und Substituierte aber, die seit langem unter der Brücke vor der Kirche leben, sind geblieben. Hier werden sie medizinisch betreut, von Sozialarbeiter*innen der Caritas unterstützt und mit Essen versorgt. Ihre Bedürfnisse nach Aufenthalts- und Schutzräumen werden hier ebenso angesprochen, wie die Bedürfnisse von Jugendlichen, die sich den Kirchenvorplatz als Skatespot angeeignet haben, Ehrenamtlichen, die hier soziale Dienste anbieten, Kirchenbesucher*innen und Anwohner*innen.
Kirche und Kirchengrund als öffentlicher Raum:
Die Kirchen der beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland leiden seit geraumer Zeit unter rückläufigen Mitgliederzahlen und sinkenden Einnahmen. In den kommenden 10 Jahren müssen mehrere tausend Gotteshäuser entweder geschlossen werden oder sich radikal wandeln. Was geschieht mit diesen Gebäuden, wenn die Religionsgemeinschaft zerfällt? Wo gibt es nichtkommerzielle Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Milieus miteinander ins Gespräch kommen und sich als Gemeinschaft erleben können? Welche Aufgabe kann der Kirchenraum jenseits der religiösen Funktion in der Gesellschaft übernehmen? Gemeinsam mit Kooperationspartner*innen aus Kirche und Gesellschaft suchen wir nach Wegen und Formaten der Weiternutzung kirchlicher Räume und Flächen. Ziel ist eine gemeinwohlorientierte Umstrukturierung, die den Bedürfnissen der Bürger*innen vor Ort gerecht wird und Möglichkeiten der Begegnung und der aktiven Teilhabe schafft.